Mitunter ist es aberwitzig, wie Informationen, die zufällig zu einem gelangen, alles vorher Geglaubte über den Haufen werfen. Genauso ist es bei der Entstehung dieses Beitrages gewesen. Ein Zufall führte zum nächsten und am Ende hatte man das klare Bild, das man sich erhofft hatte, als man der ersten Spur folgte, und zwar wortwörtlich, tief hinein in die entscheidenden Burgen, Städte und Gruften in und um die einstige Kaiser- und Hauptstadt des Reiches Speyer.
Die offizielle Geschichte des Mittelalters kann nicht stimmen
Wenn wir an das Mittelalter denken, sehen wir mächtige Burgen und Kirchen, florierende Städte, stolze loyale Ritter, edle Könige und Kaiser vor unserem geistigen Auge. Menschen, die voll an diesem Fortschritt partizipierten, vor allem, wenn sie nicht ganz unten im Hierarchiesystem standen. Erst Könige und Kaiser brachten Wohlstand. Das ist der Grundtenor.
Wenn wir an die vorfeudale Zeit denken, sehen wir Menschen, die sich das Leben gegenseitig schwer machten, unbeholfen, machtlüstern und einfach gestrickt. Wir sehen Menschen, die förmlich nach Ordnung und Struktur eines Herren schrien, denn dieses „Dark Age“, wie es offiziell heißt (Quelle), war so, wie es sich abspielte, schließlich kaum lebenswert. Der Mensch lebte im Wesentlichen in Chaos und Angst. Unsere Vorfahren waren wild und barbarisch. Und warum denken wir so? Nichts anderes haben wir schließlich in der Schule gelernt. Nichts anderes wird durch die Medien verlautbart – bis heute.
Diese Frage sollte sich aber jeder stellen: Wie wahr können diese Verlautbarungen sein, wenn man sie mit den Erkenntnissen der neuesten Forschung abgleicht? Tut man dies und folgt man den Spuren völlig nüchtern und analytisch, so wie ich es ja beruflich auch tue, stellt man fest, dass das meiste, was wir als wahr interpretieren, grundlegend falsch ist. Richtig gelesen: grundlegend.
Über die Vorstellung vom Reisekaiserreich in germanischen Landen
Offiziell war es Kaiser Karl der Große, der als erster westeuropäischer Herrscher seit der Antike die Kaiserwürde (das Wort Kaiser entsprang übrigens von Cäsar) im Jahr 800 in Rom vom Papst erhielt. Genau hier, in der „ewigen Stadt“, die übrigens erst im 14ten Jahrhundert „wieder“ zum Sitz der Katholischen Kirche wurde (Quelle), soll mit diesem Akt das erste europäische Kaiserreich entstanden sein.
Auch weniger geschichtsinteressierte sollten Karl den Großen kennen. Er gilt auch als früher Begründer des heutigen Europas und errichtete sozusagen durch Eroberung, Gesetze und Erlasse, durch Beamte und Grundstruktur sein Reich. Ursprünglich entstand sein kleines Reich bei den Franken – einem germanischen Stamm, der am Niederrhein ansässig war – bereits durch den Merowinger Chlodwig I. im Jahr 500. Wegen dieser Franken heißt Frankreich heute übrigens Frankreich – das aber nur nebenbei.
Aachen, Kaisersitz, war gemäß offizieller Verlautbarungen das Zentrum der damaligen Macht (Quelle). Durch kluge Expansionspolitik und große Schlachten baute Kaiser Karl sein gigantisches Reich aus und schaffte, was selbst die Römer nicht schafften: Er unterwarf die Stämme östlich des Rheins und drang in unserem Norden bis zur Eider vor und herrschte von hier bis zu den Pyrenäen. Was für eine Leistung!
Was die Römer nicht vermochten, vermochte dieser Herrscher in so kurzer Zeit. Dabei prägte dieser Herrscher den Begriff „Wanderkaiser“, der sein riesiges Reich durch ausgedehnte Reisen und Feldzüge verwaltete. Er war in anderen Worten überall, eroberte, verwaltete, zog weiter, eroberte, und das sein Leben lang. Welch herausragende Leistung. Aber seien wir mal ehrlich: Wie realistisch kann eine solche Darstellung sein?
Die germanischen Stämme waren frei, gut organisiert und wehrhaft
Jeder Mann war Landbesitzer und Krieger zugleich. Die Weiber und die Natur waren den Germanen heilig. Die Menschen dieser Stämme glaubten an das göttliche Prinzip, das mütterlich, fürsorglich war und welches es zu verteidigen galt. Sie glaubten an die Unsterblichkeit der Seele und Wiedergeburt (GOELTHER, Seite 96). Sie lebten inmitten der unberührten, alten Wälder.
Jeder junge Mann musste seine Wehrhaftigkeit ab einem gewissen Alter unter Beweis stellen und wurde für seine zukünftigen Dienste im Auftrag des Stammes mit viel Anerkennung und sogar mit einem eigenen Fest hierzu gefeiert (Quelle). Jeder Mann und jede Frau war ein wichtiges Mitglied in diesem Gesellschaftskonstrukt. Söldnerarmeen gab es nicht. Die Menschen kämpften aus Notwendigkeit und Überzeugung.
Darüber hinaus waren die germanischen Stämme keineswegs so unorganisiert und kriegerisch, wie wir heute (auch aufgrund von Hollywoodfilmen wie „Der Gladiator“) über sie denken. Sie trafen Entscheidungen dezentral an regelmäßigen Thingtreffen (der Dienstag – Thingstag – kommt übrigens hiervon) – Ratstreffen. Hier bestellten sie ihre Häuptlinge und konsultierten die Weisen. Hier hielten sie Gericht und trafen Entscheidungen – auch politische (Quelle). „Sie bildeten einen völlig selbstständigen Staat für sich, in eigener Souveränität, die voll und ganz beim Volke lag.“ (KUROWSKI, Seite 86) Über das Thingwesen vernetzte man sich auch mit den umliegenden Stämmen der Stammesverbände. Es gab überregionale Thingtreffen, zu denen nur die Besten jedes Stammes durften, um größere Themen zu beleuchten und Entscheidungen zu treffen. Dieses System schaffte Transparenz und sorgte für Entscheidungen, die direkt von der Basis ausgingen.
Häuptlinge und andere Funktionäre, die eine Art Servicefunktion einnahmen, wie z. B. Richter, konnten sofort wieder abbestellt werden, wenn dies im Rat so entschieden wurde. „Den freien Menschen war es [durch dieses Rahmenwerk] auch unter den Häuptlingen möglich, sie selbst zu bleiben.“ (KUROWSKI, Seite 86)
„Die germanischen Häuptlinge verfügten über keine monarchische Gewalt, sie wirkten mehr durch persönliche Kraft der Überredung als durch Befehlsgewalt." (Mittelalter Fandom)
Welch ein entscheidender Unterschied zum monarchischen Machtansatz. Weder gehörten dem Häuptling das Land seines Stammes, noch konnte er sich dessen sicher sein, dass alle ihm blind folge leisten müssen. Machtgelüste und geheime Machenschaften hatten in diesem System keine Chance. Nur die Besten waren in Amt und Würden. Tacitus, der zwischen 51 und 120 n. Chr. gelebt haben soll, berichtete Folgendes: „Der Thing war der Platz, wo die Menschen ihren Gott um Weisheit baten [daher fanden die Versammlungen immer unter freiem Himmel an heiligen Orten statt], dass alle im Frieden miteinander leben konnten und daher diese Welt, wie sie der Schöpfer gewollt hat, in Ordnung blieb.“ (Quelle)
Thing wurde in folgenden Gebieten/Ländern gehalten: Schweiz, Deutschland, England, Niederlande und Flandern, Skandinavien, Luxemburg, Österreich (Quelle).
Entscheidungen kamen aus der Mitte der Gesellschaft. Streit wurde geschlichtet und organisatorische Punkte wurden am Thing besprochen. Jeder war ein wichtiges Teil und konnte sich mit seinen individuellen Stärken einbringen. Frieden im Inneren und Äußeren war das erklärte Ziel. Wusstest du hiervon? Klingt das für dich barbarisch? Anders gefragt: Hätten wir eine bessere Welt, wenn wir heute noch so leben würden? Wären wir zufriedener?
Auf jeden Fall sind wir uns, denke ich, an einer Stelle einig: Dieses System musste mit Gewalt zerstört werden, damit man herrschen konnte, denn keiner unserer Vorfahren hätte es bereitwillig aufgegeben und keiner von ihnen hätte sich einem fremden Herrscher unterworfen.
Nur durch brachiale Gewalt und eine systematische Vorgehensweise konnte die Eroberung vollzogen werden
Diese freien Menschen hätten jeden ausgelacht, der sich eine Krone aufgesetzt und seinen neuen „Untertanen“ verkündet hätte, dass sie seine Leibeigenen seien und ihr Land abzugeben hätten. Sie hätten ihn zum Teufel gejagt. Die Truppenstärke und der Kampfeswille dieser freien Stammeskrieger hätten jede Söldnerarmee auf dem Schlachtfeld erbärmlich aussehen lassen. Niemals hätte Karl der Große sein Reich erobern können. Hierfür fehlte ein ganz entscheidendes Werkzeug, das erstmalig um das Jahr 1000 in Zentraleuropa verwendet wurde: Es fehlten die Hochburgen.
Die im Norden als Ringwallburgen angepriesenen Ringwallanlagen aus der Zeit um das Jahr 800 waren nachweislich Häfen (Quelle). In einer der größten dieser Anlagen, die sich heute unter der Hamburger Altstadt befindet (die sogenannte „Neue Burg“), fand man sogar noch das hölzerne Hafentor. Archäologische Funde lassen keinen anderen Schluss zu: Sie erfüllte friedliche Zwecke und wurde von unseren Vorfahren zum Handel und zum Austausch zwischen den Stämmen genutzt. Keine Frankenherrscher, kein Karolinger (der Dynastiename stammt von den Nachfolgern Karls – also Karl dem Großen) herrschte über diese Niederungsburgen mit kontraproduktiver Fortifikation wie beispielsweise Hamburgs „Hammaburg“ (KABLATZ, Seite 74), obwohl die überlieferten (sehr oft nachweislich verfälschten) Schriftquellen anderes über sie und ihre Funktion berichten.
Nein, man brauchte mächtige und viele Burganlagen für seine Eroberung – Stützpunkte im Feindesland. Und jetzt kommt ein ganz entscheidender Punkt: Die erste dieser Eroberungs- und Verteidigungsanlagen entstand nicht zu Zeiten von Karl dem Großen um das Jahr 800, sie entstand ca. 20 Kilometer östlich von Speyer erst vor etwa 1000 Jahren im heutigen Pfälzer Wald (Rheinland-Pfalz). Eine Hochburg allein langte jedoch nicht. Sie musste in einem Areal liegen, das sich insgesamt gut verteidigen ließ, um die kriegerischen Stämme im Umland einerseits abzuwehren und gleichsam das Einflussgebiet des neuen Herrschers auszubreiten. Dieses Areal ist bis heute unter dem Namen „Trifelsland“ bekannt. Die Burg, die genau hier dem neuen Herrscher ideale Verteidigungsmöglichkeiten bot, war Burg Trifels.
Wer Trifels hat, hat das Reich
So lautet ein bekanntes Sprichwort (ZIMMERMANN, Seite 61). Diese Burg gilt heute als die stärkste Burg des damaligen Reiches. Nicht umsonst wurde hier der Kaiserschatz aufbewahrt. Ich war am 1. August vor Ort und begab mich auf Spurensuche.
Eine Infotafel vor der Burg geht auf die historische Bedeutsamkeit dieser Burganlage ein und hebt diese als stärkste Burg des Reiches hervor (Quelle).
Erst hier erfuhr ich auch von dem hohen Alter der Burg, welches so auf Wikipedia nicht angegeben wird (Quelle). In einem Sachbuch (ZIMMERMANN), welches ich vor Ort erworben hatte, erfuhr ich erst das ursprüngliche Alter der Anlage. „Spuren am Fels deuten darauf hin, dass der Trifels bereits um das Jahr 1000 befestigt war (ZIMMERMANN, Seite 6)! Die frühe Nutzung wird auch durch Scherben und Tongefäße bestätigt (ZIMMERMANN, Seite 12).
Wenn man die KI fragt, welche die älteste Hochburg Europas ist, ist es nicht Trifels, sondern wahrscheinlich Emmendingen bei Freiburg (Quelle), was einfach nicht stimmt und schlicht eine unhaltbare Behauptung ist. Das Burg Trifels nicht nur archäologisch sondern auch von einem Strategischen Blickpunkt die älteste gewesen sein muss, erfährt man nirgendwo, wenn man im Netz danach recherchiert.
Trifels stellt alterstechnisch alle anderen Hochburgen in den Schatten, und das ist eine essenziell wichtige Information, die durch Bodenfunde belegt ist, denn hier begann der Burgherr, der sicherlich noch kein Reich hatte (das „heilige römische Reich deutscher Nationen“), mit seiner genialen Expansionspolitik.
Blick auf das Zentrum das Trifelslands mit Burg Trifels links und den Ruinen von anderen Burgen im unmittelbaren Umland.
Das Areal im Trifelsland war vor gegnerischen Angriffen perfekt geschützt. Neben der Trifels und seinen beiden Schwesterburgen (Anebos und Scharfenberg), die als gleichalt galten, gab es noch die anderen „Reichsburgen“ Landeck, Neukastel, Lindelbrunn und Meistersel in unmittelbarer Nähe (ZIMMERMANN, Seite 8). Truppen aus diesen Anlagen waren bei Angriffen oder Belagerungen in diesem ohnehin unwegbaren Gelände sofort zur Stelle. Ein perfekt ausgeklügeltes Verteidigungssystem. Das Gegenteil von dem Wanderkaiser und seinem Reisekaiserreich. Dieser Kaiser verschanzte sich in diesem Areal und baute von hier nach und nach seinen Einfluss aus. Jetzt galt es, dieses Reich zu vergrößern.
Speyer, vom Kuhdorf zur „Metropole Germaniens“
Nach der Sicherung des Trifelslandes um das Jahr 1000 erfolgte der Bau der Stadt Speyer im Jahr 1030, nur 20 Kilometer östlich von Trifels entfernt. Ein entscheidender Schachzug: des Herrschers Hauptstadt. Noch ein wichtiges Detail zu der Lage Speyers: Wachposten des Trifels konnten bis auf die Rheinebene und das Areal der späteren Stadt Speyer blicken (ZIMMERMANN, Seite 4) und somit bei Gefahr Alarm schlagen und Truppen aussenden. Der Bau der Stadt konnte von hier aus kontrolliert werden.
Im Jahre 2004 beleuchtet eine aufwendig produzierte Dokumentation von Arte, die heute noch auf YouTube zu finden ist (Quelle), die Arbeit des Stadtplaners und Architekten Klaus Humpert und beschreibt Speyer darin als mittelalterliche Stadt der Superlative. Aus dieser Dokumentation und aus Klaus Humperts Werk „Entdeckung der mittelalterlichen Stadtplanung“ (Quelle) gehen folgende Punkte über diese Kaiserstadt, die ich ebenfalls im Zuge meiner Recherche vor ein paar Wochen besuchte, hervor:
- Diese Stadt ist nicht organisch gewachsen. 1028, also unmittelbar vor dem Stadtbau, wurde das Areal der Stadt noch als „Kuhdorf“ abgetan (Minute 29).
- Speyer ist die „Mutter der mittelalterlichen Städte“ (Minute 37:30)
- „Kaiser Konrad II. will hiermit nicht nur seinen Dom und die Grablege der neuen Dynastie (die Dynastie der Salier) stiften, sondern offenbar zugleich die neue Hauptstadt seines neuen Reiches errichten.“ (HUMPERT, Seite 151) Wohlgemerkt reden wir hier von einem Reich, was seinen Namen noch nicht verdient. Die Strahlkraft der Stadt selbst war die eines Kaisers bzw. Eroberers, aber mehr als würdig.
- Der Dom und die komplette Stadt wurden als ganzheitlicher Bau aus Stadtmauern, dem Dom, Marktplätzen, Kirchen, Brunnen und Häusern geplant und entsprechend gebaut (HUMPERT, Seite 150). Das ist durch die Grundgeometrie nachweisbar. Was herausragend daran ist? Es wurde „heilige Geometrie“ angewendet und der Campus Initiales (der zentrale Messpunkt und Ausgangsbasis der Planung) der Stadt liegt direkt unter dem Altar des Doms. Auf Höhe vom Grab Kaiser Konrads II. (HUMPERT, Seite 153), dessen Gebeine hier übrigens bis heute liegen (Quelle)!
- Auf einem Ruinenrest der Speyerer Stadtmauer erfährt man auf einer Informationstafel, dass die Stadtmauer erst etwa 200 Jahre später dazugebaut wurde. Humpert räumt in seiner Arbeit damit auf. Die Stadtmauer und ihre zahlreichen Türme und Torhäuser waren elementar wichtig für Speyers Verteidigung, und der Stadtplaner berücksichtigte sie natürlich von Anfang an mit, was sich ebenfalls über die Grundgeometrie nachweisen lässt (HUMPERT, Seite 150).
- Die Stadt war Vorbild für eine ganze Epoche (Minute 24:30). Nach ihr wurden in Europa 300 Jahre später über 3000 Städte gebaut (HUMPERT, Seite 151). Der Städtebau endete übrigens abrupt 1342 mit der Magdalenenflut, Europas Jahrtausendflut (Quelle).
- Die Stadt ist sage und schreibe 90 Jahre älter als das ohnehin als alt geltende Freiburg, da Kaiser Konrad II den Bau 1030 in Auftrag gegeben hat. Offiziell hat er jedoch nur den mächtigen Dom bauen lassen. Die Stadt soll danach so „hingewachsen“ sein (Quelle Wikipedia).
- Speyers Dom gilt als der größte Bau der Christenheit zwischen 1030 und 1061. Es war die größte Baustelle Europas zu der damaligen Zeit und Kaiser Konrad II. wurde darin im Jahre 1041 bestattet. Wohlgemerkt in der größten Baustelle Europas (Minute 30)!
- In keiner anderen Kirche liegt so viel Prominenz begraben wie in Speyers Dom (Quelle).
Diese herausragenden geschichtlichen Besonderheiten der Stadt sind kaum jemandem bekannt. Darüber, wann und wie die Stadt selbst tatsächlich gegründet wurde, erfährt man nichts.
In diesem Beitrag von Die Rheinpfalz rätselt der Autor allen Ernstes über den „geheimnisvollen“ Aufstieg vom Kuhdorf zur Metropole Germaniens (Quelle). Irrwitzig, wenn man mich fragt, wenn die Antwort doch derartig offensichtlich ist.
Auch Wikipedia verwirrt mehr als alles andere bei diesem Thema. Hier heißt es, dass die Stadt erst 1111 umfassende Privilegien von Heinrich V. (dem Ur-Enkel von Kaiser Konrad II.) erhalten habe (Quelle). Vorher war die Stadt aus offizieller Sicht nicht von übermäßiger Bedeutung, obwohl derselbe Salier Heinrich V. ironischerweise genau hier ebenfalls bestattet wurde (Quelle). Aachen, die Hauptstadt vom Reich Karl des Großen, wird im Vergleich als bedeutsamste Reichsstadt ausgewiesen mit glorreicher, langanhaltender Historie (Quelle).
In Speyer selbst, wenn man die typischen Touristenattraktionen abgrast, so wie ich Anfang August, erfährt man ebenso wenig zu den hier aufgeführten Punkten, was mir eine Touristenführerin im Speyer Dom auch so bestätigte. Dabei liegen hier zu all dem noch insgesamt 11 Könige/Kaiser und 3 Kaiserinnen begraben. Alle Gräber der Salierkaiser – also auch das von Konrad II. – wurden unberührt aufgefunden (mit Ausnahme des Grabes von Heinrich V). Von der Öffnung der Gräber gibt es Aufnahmen aus dem Museum aus dem Jahr 1900, die ich hier leider nicht veröffentlichen darf. Man entnahm aus Kaiser Konrads II. Grab die älteste je ausgemachte Grabkrone! Nein, nicht in Aachen, wo ja angeblich die Gebeine von Karl der Große in einem erst im Jahr 1182 angefertigten Schrein liegen soll (Quelle), sondern genau hier. Auch das ist einzigartig.
Kaiser Konrad II. der „Schaffer der Stadt“
Kaiser Konrad II. wurde 1041 in der größten Baustelle Europas beigesetzt! Sein Bauwerk wurde erst 1061, also 20 Jahre nach seinem Tod, fertiggestellt. Was für ein irres Detail. Derartige Informationen bekommt man vor Ort in Speyer nicht. Hier erfuhr ich von geschichtlicher Bescheidenheit der Stadt, ich denke, was du hier liest, sollst du so nicht wissen, weil es alles, was du je über die Machtergreifung der Feudalherren im Mittelalter gelernt hast, ad absurdum führt. Diese Vermutung teilt übrigens auch die Touristenführerin, mit der ich eine längere, sehr interessante Diskussion hierzu führte und in meine Recherche, bzw. die von Klaus Humpert, einweihte.
Ein Detail, was von noch größerer Bedeutung ist, und das kaum Beachtung findet, ist das, was auf der Innenschrift seiner Grabkrone stand. Nur ein Satz: „PAVS ARATOR ET VERBIS“. Übersetzt heißt dies „Schaffer des Friedens und der Stadt“. Über die Inschrift der Krone erfährt man im Museum in Speyer nichts. Aber zum Glück gibt es ja die AI, sonst wüssten wir auch nichts hierzu (Quelle).
Copyright rlp.museum-digital.de – Die Wörter ET VRBIS (und Stadt) lassen sich von vorne aus gut ausmachen. Auch das Templerkreuz (die Templer entstanden offiziell erst ab 1188 – Quelle) auf der Grabkrone gilt es zu beachten. Diese Krone ist satte 140 Jahre älter!
Ist das nicht völlig irre? Nur weil ich selbst in Speyer war, habe ich von dieser Krone gehört. Und nur, weil ich im Nachgang zu dem Museumsbesuch nach der Aussage der Innenschrift recherchiert habe, bin ich darauf gekommen. Im Museum, also direkt an der Krone, wurde diese Information dem Publikum nicht offenbart. Noch ein wichtiger Puzzlestein. Der Herrscher und die Menschen ihrer Zeit wussten, dass Kaiser Konrad II. der Errichter der Stadt war. Es wurde nicht nur der Dom geplant und gebaut, sondern auch die Stadt, und das wurde sogar auf dem wichtigsten Relikt der Grablege so veröffentlicht: des Kaisers Krone!
Die erste Hauptstadt eines deutschen Kaisers war nicht Aachen
Speyer und sein mächtigen Herrscher müssen die Menschen der damaligen Zeit vor Erfurcht sprachlos gemacht haben. Pompös, mächtig und in seinem Inneren nach heiliger Geometrie angelegt (wie Klaus Humpert beweisen konnte). Nur ein großer und mächtiger Gott kann soetwas geschaffen haben. Die Strahlkraft dieser Anlage muss gigantisch gewesen sein.
Copyright Speyer Kurier – Heutzutage befindet sich der Rhein mehrere hundert Meter entfernt vom Rhein. Der Grundwasserpegel während der Zeit des Baus des Doms war aber viel höher, was man in diesem Gemälde sehen kann. Heutzutage liegen Speyers Burggräben gänzlich trocken.
Die Festung Speyer – die neu entstandene Hauptstadt des noch sehr jungen Reiches hatte einen entscheidenden Vorteil: Sie lag direkt am Rhein und war, gesichert vom Trifels-Land im Osten, dem damals noch viel breiteren Rhein im Westen und seinen Nebenarmen und Mooren rundherum, perfekt geschützt. Speyer bot ideale Voraussetzungen für eine Expansion.
Jeder Historiker weiß um die Bedeutsamkeit des Rheins für strategische Zwecke – nicht umsonst lag genau hier die Kaiserstadt
Direkt am Rhein gelegen, konnte der Fluss – mit seinem jetzt errichteten Machtzentrum Speyer als zentralem Knotenpunkt – für eine Expansion des Reiches durch Militäroperationen genutzt werden. Über diesen Fluss gelang man nicht nur in die Alpenregion, sondern, über die Nordsee, auch an quasi alle anderen Stellen der damals bekannten Welt. Was für eine wichtige Erkenntnis. Speyer, im sicheren bergigen Oberheingebiet eingenistet, ließ diese neue Route durch Hochburgen sichern und von ergebenen Vasallen des Kaisers absichern. Immer mehr Burgen und die ältesten Planstädte wie beispielsweise Freiburg, Worms oder Mainz entstanden entlang des Rheins. Jede Burg war ursprünglich ein Stützpunkt im Feindesland. Genauso wie die Forts in Nordamerika ab dem 16. Jh.. Immer mehr Gebiete wurden erobert, und genau hier am Rhein entstanden sie – gemäß Archäologie – auch als erstes. Alles passt perfekt ins Bild.
Burgen und ihre explosionsartige Verbreitung
Und hier wird es noch einmal wichtig und entscheidend: Die Rolle der Burgen ist – wie bereits an der Reichsburg Trifels zu sehen – von zentralster Bedeutung. Im Buch „Motte – Turmhügelburg – Hausberg – Zum europäischen Forschungsstand eines mittelalterlichen Burgentypus“ (ÖSTERREICHISCHE GESELLSCHAFT FÜR MITTELALTERARCHÄOLOGIE), ein von einem internationalen Team an Burgenforschern und Archäologen verfasstes Werk, werden Burgen als „wichtiges Werkzeug und Symbol der Eroberung“ beschrieben. Städte sicherten die neue Macht über das eroberte Territorium durch Kontrolle der die Bevölkerung. Wer eine Stadt betrat, um beispielsweise auf den Markt zu kommen, musste Zölle entrichten, um verkaufen zu können.
Die Art der Burgen änderte sich im Niederrhein-Gebiet. Höhenburgen ließen sich hier aufgrund der topografischen Gegebenheiten im Flachland schließlich nicht mehr anlegen. Man ging ab Mitte des 11. Jarhunders zum Bau von Turmhügelburgen über, die schließlich, ab dem 12. Jh., auch Schleswig-Holstein überzogen. Hierbei handelt es sich um runde Erdhügel, mit Gräben drumherum, mit Holzwall umschlossen, in deren Zentrum ein Holzburgturm stand. Sie wurden ausschließlich an strategisch wichtigen Stellen errichten. Ursprünglich fand man die ältesten Reste dieser Anlagen entlang des Niederrheins (ÖSTERREICHISCHE GESELLSCHAFT FÜR MITTELALTERARCHÄOLOGIE, Seite 30 und 88). Auch das passt perfekt ins Bild und wir reden hier von der neusten archäologischen Forschung zu dem Thema.
Am schnellsten bekommst du eine Übersicht, wenn du dir diese Google Maps Karte ansiehst und im Vollbild-Modus (Rechteck oben rechts) aufrufst. Jeder Eroberungsschritt ist chronologisch aufgelistet. Was zählt sind die Bodenfunde, nicht die schriftlichen Überlieferungen.
Das Festland war nur der Anfang – über die Eroberung Englands und Wales durch Turmhügelburgen der Normannen
Ich denke, bis hierhin lässt sich die systematische Vorgehensweise gut nachvollziehen, besonders, wenn man sich hinreichend mit der interaktiven Karte oben auseinandergesetzt hat. Wie aus dem Nichts treten ab der Eroberung der Rheinniederung andere Gruppierungen in unseren offiziellen Geschichtsverlauf auf: die Normannen.
Die Normannenherrscher unterschieden sich nicht von anderen Erbmonarchen wie den Salierkaisern aus der Kaiserstadt Speyer. Im Grunde führten sie ab der Mitte des 11. Jahrhunderts einfach nur fort, was Jahrzehnte zuvor bereits auf dem Festland geschehen war. Ihr Kerngebiet befand sich in einem von Turmhügelburgen durchzogenen Gebiet, also einem Gebiet, das schon feudalisiert worden war: der Normandie in Nordfrankreich. Zufall? Sicher nicht.
Ab jetzt übersäten sie England und Wales mit Turmhügelburgen: Wir sprechen von über 740 alleine in Wales und England, bis der Normannenkönig Wilhelm der Eroberer die britische Bevölkerung in die Knie zwang (ÖSTERREICHISCHE GESELLSCHAFT FÜR MITTELALTERARCHÄOLOGIE, Seite 22). Dies geschah im Jahr 1066 und ist Teil der offiziellen Geschichte. Die Bodenfunde bestätigen das.
Die Normannen – skandinavische Söldner in Wikingermanier, die nahezu keine Spuren hinterließen - setzten die feudale Eroberung fort
Beleuchtet man diese „Skandinavier des Mittelalters“ genauer, muss man sich zwangsläufig ein paar Fragen stellen. Die erste Frage, die ich mir stellte: Hat man jemals überhaupt normannische Relikte aus Schiffsgräbern beispielsweise, ausmachen können? Ich fragte die AI, und zu meinem Erstaunen erfuhr ich, dass man weder Rüstungsgegenstände, also keine Helme, Schilder, Schwerter geschweige denn Schiffsgräber von ihnen jemals ausmachen können. Keine!
Wir wissen um diese Menschen also nur aus schriftlichen Überlieferungen und dem Wandteppich von Hastings. Die Archäologie konnte nichts zu ihnen hervorbringen.
Dann stellte ich mir wilde Nordleute als Söldner in Ritterrüstungen vor, die England mit Turmhügelburgen übersäten, ohne Schiffe von ihnen, die die Archäologie ja niemals emporhob, um deren Existenz zu beweisen, die christlichen Glaubens waren, und sogar im 11. Jh. dem Ruf des Papstes folgten und sogar seinem Kreuzzug beiwohnten. Ihre Herrscher waren ebenfalls Erbmonarchen, wie die Salier, nur mit ihrem Herrschaftssitz in Rouen (einer ebenfalls sehr alten Stadt) in Nordfrankreich.
Ich muss ehrlich sagen: Das ist absurd. Diese Geschichte um die Normannen kann man nur glauben, wenn man sich nie mit den Normannen und ihrer Eroberung Englands durch Turmhügelburgen auseinandergesetzt hat. Meines Erachtens nach verwischte man durch sie die blutige Spur der Feudalherren, die England genauso eroberten, wie die Teile des Festlandes entlang des Rheins.
In einem Zug übernahmen die Staufer, die ebenfalls noch zum Teil in Speyer herrschten, 1268 angeblich durch geschickte „Heiratspolitik“ das Reich der Normannen in Süditalien. 1485 verließen die Normannen schließlich die geschichtliche Bühne endgültig und hinterließen im Grunde nichts außer einer absurden überlieferten Geschichte, die sich durch Bodenfunde nicht belegen lässt.
Der Eroberungsfeldzug endete gemäß Archäologie erst im 14. Jh. in der Slowakei und Ungarn
Die Spur der Burgen führt quer durch Europa. Die letzten Turmhügelburgen stammen gemäß der Archäologen des Buches oben erwähnten Buches aus der Slowakei und Ungarn. Wir halten mit diesem archäologischen Werk indirekt einen perfekten chronologischen Ablauf der Eroberung, geschildert von einer Riege internationaler Archäologen des späten 20. Jh. in unseren Händen. Diese Zusammenfassung ist mit Gold nicht zu bezahlen. Man kann hierdurch die systematische Vorgehensweise des Feldzuges gegen die freien Stämme Zentraleuropas nachvollziehen.
Ab dem 12. Jh. geriet Nordelbien ins Visier der Expansionspolitik der Herrschenden. Das wohl älteste Relikt einer Turmhügelburg nördlich der Elbe befindet sich übrigens an Hamburgs Hammaburgsplatz und wurde jahrzehntelang als Bischofsturm fehlinterpretiert (Quelle). Sogar ein Museum steht hier vor Ort diesbezüglich. Vor dieser Turmburg verlief ein aus Erde errichteter Verteidigungswall mit Brüstung: der sogenannte „Heidenwall“, der auch nichts mit Heiden zu tun hatte, aber offiziell als frühe Stadtbefestigung gilt (Quelle). Dieser einfache Verteidigungswall mit Graben riegelte provisorisch die damalige Alsterhalbinsel vor den kriegerischen Germanen Stämmen (speziell den Holsten) bis zum Bau der steinernen Stadt Hamburg (der sogenannten Neustadt) im selben Areal ab. Das laut Archäologen verhältnismäßig hohe Alter dieser Bauten und ihr Zweck sprechen dafür, dass wir es hier, nördlich der Elbe, mit dem zentralen Einfallstor für das expandierende Reich in den Norden zu tun haben (Quelle).
Die unbeugsamen Dithmarscher ließen sich bis zum Schluss von der kaiserlichen Expansionspolitik nicht beeindrucken
Das Erstaunlichste aus unseren Gefilden an dieser Abfolge der Ereignisse ist, dass sich die Dithmarscher nicht davon beeinflussen ließen. Obwohl der Rest der kimberischen Halbinsel schon lange von machtbesessenen Feudalherren regiert wurde, die ihre Heere gegeneinander in die Schlacht schickten, verteidigten diese Menschen als freie Krieger und Landbesitzer ihre Heimat (sie waren ein Stamm des Stammesverbandes der Nordsachsen und sprachen als solche übrigens Plattdeutsch) und schlugen im Jahr 1500 heroisch die zahlenmäßig weit überlegene Söldnerarmee der „Dänen“ und die des Schauenberger Grafen zurück.
Ihr Held dieser Schlacht war Wolf Isenbrand, der Wiliam Wallace der Schotten (Quelle).
Die Angreifer schickten die blutrünstigsten aller Söldnertruppen der damaligen Zeit nach Dithmarschen: die Landsknechte der schwarzen Garde – spezialisiert auf die gewaltsame Zerschlagung von Aufständen (Quelle). Dieses Regiment, soll brutal und erbarmungslos vorgegangen sein und im Vorfeld ein Blutbad in Meldorf und Windbergen angerichtet haben (Quelle). Diese Söldnertruppe kannte keine Skrupel und war für den Einsatz gegen rebellierende Bauern spezialisiert. Doch die Dithmarscher rieben die Angreifer auf und vernichteten sie in einer glorreichen Schlacht unter Isenbrand bei Hemmingstedt. Der Mut der Dithmarscher löste über Jahrzehnte eine Reihe von sogenannten Bauernaufständen in Europa aus (Quelle), die jedoch alle brutal zerschlagen wurden.
Offiziell gehörte übrigens auch Dithmarschen durchgängig zum Heiligen Römischen Reich Deutscher Nationen (als Teil der Grafschaft Holstein). Das ist in etwa so, als hätte man das Dorf der unbeugsamen Gallier als Teil des römischen Reiches dazugezählt. Natürlich waren die Dithmarscher nie Teil des Reiches.
Sie waren frei und verteidigten sich bis aufs Blut gegen die fremden Eindringlinge, die sie, wie alle anderen um sie, unterdrücken und als Leibeigene ausbeuten wollten. Ihre Heimat, die Marsch, nutzen sie klug für ihre Verteidigungszwecke, welche sich ideal dafür eignete. Wir dürfen stolz auf sie sein. Welch grandiose Leistung. Sie waren die letzten freien Germanen. Die letzten Unbeugsamen. Die freie Republik der Dithmarscher konnte erst im Jahr 1559 blutsam unterjocht und war damit die letzte Bastion der Freiheit.
Bestimmt erfährst du nicht grundlos erst jetzt davon. Das Dithmarschen in seiner heutigen Form, mit Deutschlands größten Marktplatz in Heide, entstand viel später. Die Heidener Kirche erst 1560 (Quelle), also unmittelbar nach der Unterjochung durch die neuen Feudalherren und bereits in der Renaissance.
Es war alles ganz anders
Was die Forschung der letzten Jahrzehnte hervorgebracht hat, ergibt, interdisziplinär betrachtet, ein komplett anderes Bild. Ohne die Arbeit von Stadtplanern wie Klaus Humpert und Dr. Marin Schenk wäre man nie auf Speyer gekommen. Ohne den Burgenforscher Arthur Dähn niemals auf die Schlüsse zu Ringwallburgen, die eigentlich Häfen waren und keine Eroberungsbauten (Quelle). Ohne die internationalen Archäologen, die am Buch „Motte – Turmhügelburg – Hausberg – Zum europäischen Forschungsstand eines mittelalterlichen Burgentypus“ mitwirkten, hätten wir niemals über die Expansion des Reiches durch Burgen erfahren, die sich chronologisch nachvollziehen lässt. Ohne Historiker wie Andreas Vonderdach, der feststellte:
„Im Geschichtsunterricht kommen die deutschen Stämme nur noch als Stammesherzogtümern des Mittelalters vor.“ ( VONDERDACH, Seite 9)
Wüssten wir kaum noch etwas über die vorfeudale Zeit der Germanen/Kelten, ihr Gesellschaftssystem und ihr geniales Thingwesen. Ohne Menschen wie Dr. Robert Kretzschmar, Leiter des Hauptstaatsarchivs Stuttgart, der 2003 über die „Fälscherwerkstätten des Mittelalters“ aufklärte (auch in Speyer Bistum wurde gelogen, dass sich die Balken biegen), wüssten wir nicht über die systematische Geschichtsmanipulation im Mittelalter (Quelle).
Zusammengenommen wird ein Schuh draus. Wir haben ein Motiv und zudem eine für jeden leicht nachvollziehbare Chronologie, die in Trifels um das Jahr 1000 begann und 1559 in Dithmarschen in unseren Gefilden endete. Nun ja, endet ist vielleicht zu weit gegriffen.
Der Feudalismus wurde in dieser Zeit gewaltsam in Zentraleuropa etabliert. Hiernach folgte der Kapitalismus, in dem wir uns bis heute befinden. Gemäß Karl Marx soll hierauf übrigens der Sozialismus und dann der weltweite Kommunismus folgen (Quelle). Ganz nach dem Motto des WEFs: Du wirst nichts besitzen, aber glücklich sein (Quelle). Die Menschen der vorfeudalen Zeit verfügten über Eigentum und Grund und Boden, für den sie Verantwortung überahmen, den sie selbst verteidigten – im Einklang mit der Natur ihrer Sippe und Gesellschaft. Einer der Küren dieser Menschen war „das Recht and ungestörten Besitz ihres Eigentums, wenn es nicht verwirkt ist.“ (KUROWSKI, Seite 87) Sie waren Teil eines dezentralen Systems, der ihrer Stimme gehör schenkte. Was könnte besser sein?
Und wie soll die Zukunft bei der derzeitigen Entwicklung aussehen? In einer Plattenbauwohnung in einem System, in dem, wie in der DDR oder Nordkorea gewisse Menschen gleicher sind als andere und über mehr Privilegien verfügen und Macht ausüben um das System überhaupt am Laufen zu halten können?
Woher kamen eigentlich die Templerkreuze in der Kaiserstadt?
Was uns aufhorchen lassen muss: Was machten Templerkreuze in der Kaisergrotte, im Kirchenschiff und oberhalb des Domes in Speyer, wenn der Templerorden offiziell erst viel später, nämlich erst im Jahr 1118 gegründet wurde (Quelle)? Was machte das Kreuz auf der Grabkrone von Konrad II., wie oben zu sehen? Woher kamen die nicht in Worte zu fassende Baukunst und das Stadtplanwissen (heilige Geometrie) der Erbauer von Speyer und der späteren Städtebauten? Schaut euch die Stadtwappen anderer Städte an. Nehmt euch Hamburg oder Bremen. Was seht ihr darauf? Was seht ihr in fast jeder Kirche? Was seht ihr auf fast allen Wappen von Adelslinien (so wie auf diesem)? Richtig Templerkreuze. Überall. Zufall? Nein. Wir achten nur nicht darauf, aber sie waren die ganze Zeit da, ohne, dass wir darauf geachtet haben.
Diese Städte- und Kirchenbauer waren ein zentraler Bestandteil der gewaltsamen Eroberung der Heimat unserer Vorfahren. Städte und Tempel beeindrucken uns bis heute. Sie stehen für Fortschritt und Wachstum, aber auch Unterdrückung. Wie haben sich die Menschen bei ihrem Anblick gefühlt? Wie fühlst du dich, wenn du vor dem Kölner Dom stehst? Wie machtlos und demütig müssen sie vor Trifels gestanden haben? Wie ehrfürchtig standen sie vor den Stadtmauern der Kaiserstadt Speyer mit seinem gigantischen Dom? Der Kaiser musste mit einem mächtigen Gott in Verbindung stehen. Genau das wurde auch von ihm proklamiert. Beim Anblick dieser Bauten dürften die Menschen bereits durch den bloßen Anblick dieser Werke auf die Knie gegangen sein.
Und woher hatten die Erbauer Speyers ihr Wissen? Wie alt ist dieses und warum wurde eben dieses Wissen für die schlechte Sache eingesetzt? Und noch eine Frage in diesem Zusammenhang: Sind die Templer verschwunden? Nein, sind sie nicht. Als ihre Nachfolger sehen sich heutzutage die Hochgradfreimaurer der Strikten Observanz, und das veröffentlichen sie auch so (Quelle). Heutzutage wirken sie nur noch in der Schweiz, was inzwischen mehr als ausreichend zu sein scheint, auch wenn sie einst im Verborgenen auch in unserem Norden wirkten (Quelle).
Ist es Zufall, dass das Kreuz über dem Grab Kaiser Konrads II. und das auf seiner Grabkrone dasselbe ist wie das Wappensymbol der Schweiz? Ist es Zufall dass die „Strikte Observanz“ bis heute nur noch dort besteht? In diesem Zuge kann man gerne mal recherchieren, welche NGOs ihr Hauptquartier allein in Genf haben. Vielleicht nur so viel: Die WHO, das WEF und die UNO sind unter den über 100 Organisationen hier vertreten (Quelle).
Teile und herrsche
Du siehst: Was erwirkt wurde, und was sich bis heute immer mehr abzeichnet, ist, dass Macht mehr und mehr zentralisiert wird. Es bedarf heutzutage immer weniger Politiker, die Entscheidungen für immer mehr Menschen treffen. Länderübergreifend. Das Gegenteil von einem dezentralen Ansatz. Man denke nur an die EU und die Macht der derzeitigen Präsidentin, Ursula von der Leyen, die nicht einmal in ihr Amt gewählt wurde, aber auch, wie wenig positiv die Entwicklung für den Einzelnen ist. Immer mehr Menschen sind arm, vor allem junge, werden Jahr für Jahr depressiver und sehen keine Perspektive mehr (Quelle). Wer glaubt, dass sich in Anbetracht des demografischen Wandels und der allgemeinen Entwicklung, die man schon lange hätte vermeiden können, durch dieses System doch noch alles zum Positiven ändern wird, der ist sehr naiv.
Es gibt sehr gute Gründe, weshalb du von diesen Themen, die Jahre beansprucht haben, um sie zusammenzuführen, auf diesem Weg hörst und nicht über eine spannende ÖRR-Doku, wie die über Klaus Humpert und seiner Arbeit. Die Informationen, die ich hier mit dir teile, sind alle offenkundig und einsehbar, wenn auch versteckt (wie das hohe Alter von Burg Trifels, das so nicht über die offiziellen Kanäle veröffentlicht wird). Es ist so, als befänden wir uns immer noch in der einstigen feudalen Zeit, wo das entscheidende Wissen der Basis verwehrt bleibt, um den Pöbel ruhig zu halten und zu lenken. Man gebe ihnen dafür Brot und Spiele. Man lasse sie sich gegenseitig bekämpfen (links gegen rechts): teile und herrsche. Die wirklich wichtigen Informationen, wie die aus diesem Beitrag, erhältst du nicht, schließlich könnten aus diesem gewonnenen Verständnis ungewünschte Taten entstehen, und genau das will man nicht! Was wäre schließlich, wenn die Basis sich wieder an dem vorfeudalen germanischen Recht für unsere Gesellschaftsordnung orientieren würde und schlagartig zusammenhält? Wäre der 1000-jährige Spuk dann nicht vorbei? Ja. Das wäre er.
Unsere gültige Geschichtsschreibung suggeriert uns, dass der Mensch ohnehin schlecht ist und Herrschaft die einzige Rettung ist, bzw. schon lange war. Und die Auslegung der Geschichte, obwohl man um die Fälscherwerkstätten des Mittelalters genaustens weiß (HAUPTSTAATSARCHIV STUTTGART), legt nun mal nichts anderes offen.
Nicht die sind schuld, sondern wir haben es mit uns machen lassen
Machtbesessene Feudalherren kolonisierten bis Anfang des 20. Jhs. andere Völker (man denke nur an Nordamerika, Indien oder Afrika). Es waren aber Menschen wie du und ich, nicht die Feudalherren, die für all diese Schlechtheit sorgten, denn wir folgten ihren Befehlen. Die Konquistadoren, die ganze indigene Völker auslöschten. Es waren Menschen, die edle Ritter werden wollten und damit Vasallen oder Söldner des Königs wurden und blind und ohne auf das eigene Gewissen zu hören, zu Felde zogen, mordeten und unterdrückten. Sie folgten dem Ruhm und dem Glanz ihres Herrschers und seinem mächtigen Gott und ließen sich blenden.
Nur durch ein strikt hierarchisches System, mit Menschen, die sich für Ruhm und Geld verkaufen, ist deren Etablierung und Aufrechterhaltung möglich gewesen. Ein ausgeklügeltes Befehlsempfängertum. Es ist das System, das bis heute, wenn auch in einem anderen Gewand, noch immer das tut, was es tun soll: Es verleitet uns dazu, mitzumachen, wegzusehen, faul und feige zu sein, und Verantwortung abzulehnen.
Blicken wir auf die vorfeudale Zeit. Blicken wir auf die Dithmarscher, die bis zum Schluss ihr Gesellschaftssystem und ihre Art zu leben verteidigten, erkennen wir, was uns fehlt: Mut (auch zur Wahrheit) und zu seinen Ansichten zu stehen und Probleme anzusprechen und Fehler einzugestehen, die Übernahme von Verantwortung durch Taten, die unsere Welt zu einer besseren machen.
Diesen systematischen Prozess, der seit nunmehr 1000 Jahren den Westen unserer Welt durchdringt, können wir nur aufhalten, wenn wir uns mutig der Wahrheit stellen und diese weitergeben, unabhängig von den Konsequenzen. Nichts war so, wie wir es denken, und die Profiteure sind nicht wir, die einfachen Menschen, die Basis, die Familien und kleinen Gemeinschaften. Nein, es sind die Lobbyisten. Es sind die unreflektierten Systemverfechter, die für ihr Mitwirken in dieser Sache königlich entlohnt werden, während der kleine Mann mehr und mehr seine Lebensgrundlage verliert.
Lasst uns zusammenhalten, egal ob links oder rechts. Lasst uns Missstände ansprechen und nicht wegsehen. Gemeinsam sind wir die Basis. Gemeinsam sind wir die, die das Sagen haben. Wir sind es unseren Vorfahren, die nach dem Motto „Lever doot as Slaav“ zu Felde gezogen sind, um diese Entwicklung zu verhindern, und unseren Kindern schuldig. Wir haben es in unseren Händen. Jeder von uns.