Vor ein paar Wochen fiel mir die alte Chronik meines Heimatortes nach Jahren wieder in die Hände. Eigentlich wollte ich etwas ganz anderes nachlesen, aber die Passage auf Seite 101 machte mich beim Überfliegen stutzig. Da war doch etwas? Richtig! Das Jahrtausende alte Wegenetz, was meinen Heimatort (zwischen Flensburg und Schleswig) umgibt und mindestens bis zur Bronzezeit (2000 – 750 v.Chr.) datiert werden konnte. Wo führten diese Wege aber hin? Wie bedeutsam waren sie für unsere Vorfahren? Meine Recherche begann. Das hiernach der umfangreichste Beitrag dieses Blogs entstehen würde, hätte ich niemals geahnt. Es lohnt sich, bis zum Ende zu lesen, versprochen. Die interaktive Karte im Beitrag wird dir dabei helfen, die bedeutsamsten Stellen dieses Beitrages selbst zu erkunden.

Auf Seite 101 weißt die Chronik explizit darauf hin, dass es zwei sehr bedeutsame Fluss-Furten gab, die unsere Vorfahren bereits vor Tausenden von Jahre nutzten. Diese seichten Flussübergänge befinden sich bis heute auf dem damals „wichtigsten Verbindungsweg zwischen einem östlichen und einem westlichen Siedlungsgebiet der Bronzezeit“ (Heimatchronik, Seite 93). 
 
Auf Seite 102 wird betont, dass der ganze(!) Verkehr von Friesland (Bordelum mit seiner heiligen Quelle über Bredstedt, Joldelund, Sillerup) kommend und nach Schleswig gehend, hier entlang führte. Jeder, der die herausragende Bedeutung Alt Schleswigs als zentralen Knotenpunkt auf der Schleswiger-Landenge bis ins Hochmittelalter kennt (mehr dazu hier), weiß, wie intensiv dieser Weg also genutzt worden sein muss. Obendrein diente genau dieser Weg auch als die direkteste Verbindung zwischen dem Stammzentralheiligtum der Friesen und dem der Angeln bei Alt Brarup, dem Thorsberger Moor

Die herausausragende Stellung der Wegetrasse bei Eggebek

Dem Jerrisbekübergang zwischen Janneby und Eggebek und der Treeneübergang zwischen Eggebek und Langstedt/Keelbek (wo diese sich genau befinden, siehst du in der Karte unten). Brücken entstanden hier erst um 1600 (in Langstedt, Nachbarort von Eggebek) und 1894 (vor Janneby). Unsere Vorfahren bevorzugten es, mit Pferd und Karren diese seichten Flussübergänge für ihre Überquerung zu nutzen.

 

Flussfurt Tyday/Eggebek heute

Die Spuren des Weges, die sich bis heute deutlich vor Tydal ausmachen lassen, sind Zeugen einer intensiven Nutzung dieser Furt. 

 

Flussfurt Tyday/Eggebek heute

"Teil des uralten Verkehrsweges" (Seite 109) Auch der Stamm der Angeln nutzen diesen Weg, als dieser klimabedingt (nach dem Einsetzen der Kältephase im 4ten Jahrhundert) ihre Heimat für ein paar Jahrhunderte verließen und Britannien besiedelten, daher sein Name: Angelboweg. Bereits Jahrtausende zuvor wurde er genutzt!

 

Jannebyer Weg

Siedlungs und Verkehrswege zur Bronzezeit (Seite 9). Hier sehen wir einen kleinen Ausschnitt des bronzezeitlichen Weges. Eggebek liegt genau eingenistet zwischen den ehemaligen Wallfahrtsorten Bordelum und Alt Süderbrarup mit seinem einstigen zentralen Stammesheiligtum der Angeln, dem Thorsberger Moor sowie den zentralen Verkehrsknotenpunkten der damaligen Zeit Alt Schleswig/Haithabu aber auch Füsing.

 

Der uralte Reichtum unseres Landes

Wie das komplette Wegenetz aber wohl aber im Detail ausgesehen haben mag? Wo führte es genau lang? Dann kam die Erinnerung zurück! Dies wusste ich doch bereits!

Vor etwa 5 Jahren besuchte ich mit meinem Bruder den Arnkiel Park bei Oeversee (sehr zu empfehlen). Im Informationshäuschen der archäologischen Freilichtanlage befand sich eine Karte, die detailliert die Route dieses alten Wegenetztes aufführt. Auch alte Siedlungen und unzählige Grabhügel und Großsteingräber werden auf dieser Karte aufgeführt. Die extrem hohe Dichte von archäologischen Zeugnissen vergangener Tage ist schier kaum zu glauben. Heutzutage lassen sich, bedingt durch die im 20ten Jahrhundert vorangeschrittene Agrarwirtschaft und dem Straßenbau, kaum noch welche dieser prä-historische Überreste in unserer Landschaft ausmachen, dabei war unser gesamtes Bundesland bis zu dieser Zeit noch voll davon: „Der Reichtum unseres Landes an Großsteingräbern und Kammertypen ist innerhalb der Megalithkultur auf deutschem Boden am größten.“ (ZENTRALMUSEUM MAINZ, Seite 46)

Unsere Kenntnis über diese Relikte im Kreis Flensburg (bis 1970 waren Kreis Schleswig und Kreis Flensburg nicht zusammengehörig) wären fast vollständig verloren gegangen, wenn sich der Prä-Historiker Jakob Röschmann (1899-1963) nicht zwischen 1936 und 1963 (er starb beim Schreiben der letzten Seiten seines Lebenswerkes „Die Vorgeschichte des Kreises Flensburg“) akribisch für die Suche und die Dokumentation dieser Funde eingesetzt hätte: 

„Nicht lange wird es dauern, dann sind auch die letzten Spuren eingeebnet und verwischt. Umso mehr ist es die Pflicht eines jeden Heimatfreundes, Erhaltenes zu schützen, die unscheinbaren Spuren im Gelände zu beachten, Aufzeichnungen und Mitteilungen darüber zu machen.“

Auch wenn ich sein Buch leider noch nicht in meinem Archiv habe (letztmalig wurde es im November 2021 gebraucht für 280 Euro angeboten!), so bezieht sich die Karte im Arnkielpark Informationshäußchen auf dieses Werk. Alle „Heimatfreunde“ dürfen diesem Mann jetzt sehr dankbar sein. Ihm verdanken wir, dass diese „unscheinbaren“ und mittlerweile völlig zerstörte Spuren, archäologisch untersucht und in seinem 680-seitigen Buch verewigt wurden. Seine Arbeit dient als Grundlage für diese einzigartige Fahrradroute. Auch ein Lob an den Verein Arnkiel Park bei Oeversee für die Veröffentlichung dieser Karte auf ihrer Anlage. Diese ist der Grund, weshalb es diesen Beitrag überhaupt gibt.

 

Legende Karte

Legende der Karte zur Vorgeschichte des Kreises Flensburg – Aufgenommen im Arnkiel Park – Entwurf und Ausführung der Karte Jakob Röschmann (1963)

 

Wegenetz um Eggebek

Alleine die enorme Ansammlung an Hünengräbern (10) auf der sogenannten Nordhöhe bei Süderschmedeby ist mehr als beachtlich (mehr dazu auch in der interaktiven Karte unten). Südlich zentral in der "Glocke" sieht man den Treeneübergang bei Tydal (Eggebek). Nördlich treffen sich beide uralten Wege im heutigen Tarp. Noch weiter nördlich, bei Frörup, südlich von Oeversee, befand sich die dritte Treene-Flussfurt, ein bedeutsamer Abschnitt der gen nordwest gehenden Alt Tondern-Trasse, nebst dem Tinghoi, dem uralten Tingplatz (Gerichts- und Versammlungsstätte), dieser sogenannten Uggelharde (der Thing hier verband die umliegenden Siedlungen miteinander - siehe ebenfalls Karte unten).

 

Karte groß

Hier die komplette Karte, welche das bronzezeitlichen Wegenetz zeigt. Die "Glocke" aus dem Bild oben lässt sich darin gut ausmachen.  

 

Hinterlassenschaften über Hinterlassenschaften

Mein Bruder und ich konnten kaum glauben, was wir auf Röschmanns Karte alles sahen. Minuten vorher noch für uns völlig unbekannt, wurden wir nun gefühlt von den hier aufgeführten Relikten vergangener Zeiten geradezu erschlagen. Hügelgräber waren uns natürlich bekannt, aber das sich eine derartig hohe Anzahl von ihnen direkt vor unseren Füßen befunden haben, war uns völlig neu. Achso, es gibt einen Unterschied zwischen Grabhügeln und Großsteingräbern? Auch diese Erkenntnnis war uns neu. Generell sind diese Anlagen, die sich teils immernoch in unseren Landen ausmachen lassen und für die es sogar teilweise vor Ort Informationsschilder gibt, nicht Teil unserer bewussten Wahrnehmung. Ist dem so, weil man diese Gebilde einfach mit nichts Greifbaren in Verbindung bringen kann?  

 

Uralt uns einstmals heilig
Stille, vergessene Zeugen vergangener Zeiten
Bekannt durch Asterix und Obelix
Das traurige Schicksal dieser einstigen Heiligtümer
Der Prähistoriker Jakob Röschmann (1899-1963)
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Uralt uns einstmals heilig
Uralt uns einstmals heilig
Stille, vergessene Zeugen vergangener Zeiten
Stille, vergessene Zeugen vergangener Zeiten
Bekannt durch Asterix und Obelix
Bekannt durch Asterix und Obelix
Das traurige Schicksal dieser einstigen Heiligtümer
Das traurige Schicksal dieser einstigen Heiligtümer
Der Prähistoriker Jakob Röschmann (1899-1963)
Der Prähistoriker Jakob Röschmann (1899-1963)
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Diese Karte bezieht sich auf die Ausführungen des österreichischen Theologen Jürgen Spanuts zu dem Zentralheiligtum der Friesen (aus seinem Werk "Stollberg - Ein altes friesisches Zentralheiligtum") im Forsetiland (Stollberg Geestinsel oder Bredstedter Geestinsel), den gesicherten archäologischen Spuren des Kreises Flensburg (Jakob Röschmann), die wissenschaflichen Ausarbeitung der Flensburger Regionalen Studien "Von Wegen", sowie der Heimatchronik des Ortes Eggebek (und Nachbarorte).

Die uralten Wegenetze in und um die Schleswigschen Geest, die sich mindestens bis in die Bronzezeit (2000 - 750 v.Chr) datieren lassen, wurden nicht zufällig gewählt. Bäche waren damals noch reißende Flüsse, Moore noch nicht abgetorft und zerstört, Koppeln dichte Wälder mit uraltem Baumbestand, bewohnt von wilden Tieren wie Bären und Wölfen - gemäß Waldemars Erdbuch aus dem Jahr 1231 lebten in unseren Gefilden auch noch Rentiere (das dem so war, beweisen auch gefundene Knochen). Die Natur wurde über alles geschätzt, respektiert und geachtet. Man griff nicht in sie ein, sondern folgte den natürlichen Pfaden, die die Harden miteinander verband. Thing-, Richt- und Gerichtstätte bildeten die Heiligtümer dieser Harden, die auf heiligen Linien standen (siehe auch "Der planmäßige Aufbau der heidnischen Heiligtümer" von Goslar Carstens). Gemäß Carstens Ausführungen befand sich an dem Standort der Eggebeker Kirche das Hardes Heiligtum der Uggelharde (Uggel - Eule). Die Forseti-Insel der Friesen (oder die Stollberg Geestinsel), die bis heute besteht, wenn auch keine Insel mehr, war der Sitz des letzten heidnisch/friesischen Stammesführers Radbad II. (Ende 8. Jahrhundert). Sein Vater, ursprünglich aus Utrecht regierend, eroberte von hier aus West-Friesland (das heutige Holland) zurück, nachdem dieses von der fränkischen Söldnerarmeen besetzt wurde. Hier befand sich auch die heilige Quelle, die sogenannte "Lebensquelle" (auch Süderbrarup hatte eine). Quellen wie diese waren Wallfahrtsorte für unsere Vorfahren.

Vergessene Heiligtümer, Burgen friesischer Könige, Quellen, eine alte Insel, der höchste Berg Nordfrieslands, Flussfurten, gigantische Hünengrab-Begräbnisstätten, und viel mehr warten darauf, von dir wiederentdeckt zu werden.


Dörfer, deren Ursprung Jahrtausende überdauerten

Eggebek, Nachbarort des Heimatdorfes meiner Kindheit und meiner Jugend Langstedt, gilt als sogenanntes Ur-Dorf (Heimatchronik, Seite 342). Erstmalig schriftlich erwähnt im Jahre 1352 blickt es nicht nur auf ein paar hundert Jahre Geschichte zurück (wie uns Wikipedia wissen lässt) sondern auf eine Jahrtausende alte! So hat man Siedlungsreste in Eggebekfeld, Tydal, Langstedt, Keelbek, Sollerup (sogenannte Filialdörfer) ausgemacht, die sogar bis zum Neolithikum (die Zeit der Megalithiker hiernach folgte die Zeit des Nordischen Kreises) reichen (Heimatchronik, Seite 9)!

Die Kultur des Nordischen Kreises? Was trug sich bei uns zur Bronzezeit zu?

Wer waren also die Menschen damals, die diese Siedlungen, Thingplätze und Wege nutzten? Die Kultur des Nordischen Kreises, die nach der Verschmelzung der megalithischen Trichterbecherkultur entstand, auf welche eine Vielzahl dieser Anlagen zurückgehen und die in ganz Nordeuropa verbreitet war (Quelle)? "Die reichlich 1000 Jahre der Bronzezeit (1750-500 v.Chr.) im südlichen Skandinavien stehen unter dem faszinierenden Glanz und Reichtum eines Metallhandwerks, das im gleichzeitigen Mitteleuropa - nicht seinesgleichen hatte." Schleswig-Holstein hatte an der Kultur des Nordischen Kreises vollen Anteil (ZENTRALMUSEUM MAINZ, Seite 27). 

Wusstest du, dass die nordische Bronzezeit in diesen Gefilden sogar mit dem atlantischen Reich in Verbindung gebracht wurde, mit seiner Königsinsel vor Helgoland? Wie bitte? Nun, die 6 Grundthesen, dass dem so war, konnten bis heute nicht von unserem Establishment widerlegt werden. Davon kann sich jeder Interessierte überzeugen. Jedoch wird die Nordeuropaatlantistheorie als unhaltbar dargestellt und die 6 Grundthesen des Österreichers und Bordelumer Poastors Jürgen Spanuths (1907-1998), der sein Leben diesem Thema widmete, schlichtweg ausgeblendet. Auf Wikipedia wird heute nur auf die Punkte eingegangen, die man vermeintlich widerlegen konnte. Der Rest gilt als nicht diskussionswürdig. Genauso wenig wissen wir etwas über die bronzezeitliche Kultur des Nordischen Kreises, obwohl es diese hoch entwickelte Kultur ohne Zweifel hier gab und Archäologen, wie die des Römisch-Germanischen Zentralmuseums Mainz (1968), nach wie vor ins schwärmen geraten läßt.

 

Spanuth in Medinet Habu

Copyright@ www.altevolkstrachten.de - Ist es so abwegig, die Kultur des Nordischen Kreises mit einer Hochkultur in Verbindung zu bringen, wenn man derartige Kunstwerke sieht? Objekt 13, 14 auf dem Bild sind übrigens sogenannte Griffzungenschwerter. Sie stehen für die nordeuropäische Bronzezeit wie kein anderes Relikt. Mehr zu den anderen Waffen und Kunstgegenständen hier.

 

Griffzungenschwert der Bronzezeit bei Jerrishoe

Griffzungenschwerter fanden eine enorme Verbreitung in unserem Kulturraum und wurden in zahlreichen bronzezeitlichen Hügelgräbern gefunden u.a. hier in Jerrishoe bei Tarp (Heimatchronik, Seite 7). 

 

Forseti

Nach der Katastrophe um 12 v.Chr. machte man diese Schwerter (Objekt 1 und 4) in zahlreichen Depotfunden aus, dessen Spuren von Schleswig-Holstein bis nach Griechenland und Ägypten führten (Quelle)!


Wäre es nicht naheliegend, dass man dieser hoch entwickelten weit verbreiteten nordischen Kultur eigentlich mehr Beachtung schenken müsste, unabhängig von Platons, Homers und den zeitgenössischen Schriften von Medinet Habu, auf welche sich Spanuth in seiner Arbeit ja nur bezieht? Das Gegenenteil ist der Fall.

Karrierekiller und politische No-Go Area

Das es viele Menschen gab, die aus Überzeugung Spanuths Arbeit aufgriffen, wird in einem anderen Wikipedia Beitrag allerdings wertefrei aufgeführt: Günther Kehnscherper, Gerhard Herm, Jean Deruelle, Felice Vinci, Sylvain Tristan. Günter Bischoff listet in seinem Werk aus dem Jahr 2016 noch eine Vielzahl Persönlichkeiten mehr auf. Auch der Prähistoriker Dr. Goldmann (1936-2019) vertrat weitgehend die Ansichten Spanuths. Dienstlich wurde ihm aber seitens seiner Vorgesetzen zu verstehen gegeben, dass er diese Meinung nicht in der Öffentlichkeit vertreten dürfe (Quelle). Hier eine Auflistung von Fachexperten (insgesamt 26!) mit ihren beipflichtender Bezugnahme aus einer Zeit, als dies noch keine negativen Konsequenzen nach sich zog. 1953 wurde Spanuths Nordeuropaatlantistheorie noch von der Pressewelt gefeiert (Quelle), 14 Monate später wurde sie zum Politikum.

Ausgerechnet Helgoland?

Gemäß Spanuths Ausarbeitung gab es weltweit nirgendwo mehr geographische Übereinstimmungen mit Platons Atlantisschriften Kritias und Timaios als im Nordseeraum der Bronzezeit, zu Zeiten der Kultur des Nordischen Kreises, mit Helgoland als Königsinsel. Hier ein paar davon:

  • § Kritias, 118d: Es lag an der Mündung von Flüssen (Elbe, Eider).
  • § Kritias 118a: Zuvorderst befand sich ein Felsen, der wie mit dem Messer abgeschnitten aufragte.
  • § Kritias 116a: Auf der Insel gab es rote, weiße und schwarze Steine (eindeutig). 
  • § Timaios 25d: Das Versinken der Insel hinterließ ein Schlamm-Meer, dass es zu Platons Zeiten noch gab (das Wattenmeer).
  • § Kritias 108e: Von der Insel aus war eine Fahrt in das gegenüberliegende Meer möglich, also in die Ostsee (über die Schleswiger Landenge mittels Gräben/Kanälen am Danewerk!).
  • § Kritias 114e: Auf der Insel wurde an vielen Stellen „Oreichalkos“ aus dem Boden gegraben (Bernstein).

Eine direkte Gegenüberstellung auch mit anderen potenziellen Standorten der von Platon beschriebenen Königsinsel findest du hier und hier. Ich widmete mich diesem Thema bereits ausführlich vor zwei Jahren. 1200 v.Chr. also inmitten der Bronzezeit, endete gemäß Spanuths These das altantische Zeitalter abrupt aufgrund einer gigantischen Katastrophe. Der Sturm der Nord-Seevölker begann, welcher im Totentempel von Medinet-Habu in Ägypten sogar dokumentiert wurde (auf dem Bild unten zu sehen). Die zeitgenössischen Aussagen der gefangenen Häuptlinge der Nord-Seevölker (inzwischen heißen sie nur noch Seevölker) über ihre Heimat, die in den Steinen des Tempels verewigt sind, lassen kaum einen Zweifel offen, dass diese in unseren Gefilden war (diese genauen geographischen Angaben der Häuptlinge sind in dem Wikipedia Artikel übrigens nicht zu finden).

 

Spanuth in Medinet Habu

Jürgen Spanuth 1980 vor dem Totentempel in Medinet Habu/Ägypten - Auf Wikipedia erfährt man gleich einleitend in seinem Artikel, dass "seine Atlantis Theorie unhaltbar sei". Dabei konnte keine seiner 6 Grundthesen bisher widerlegt werden. Auch von der Kultur des Nordischen Kreises und seinem unbestreitbar sehr hohem Entwicklungsstand ist darin keine Rede. Das Reflief an genau dieser Stelle zeigt übrigens die Schlachten der Nord-Seevölker gegen die Truppen von Ramsis III mit Griffzungenschwertern und Rundschilden (in diesem Bild oben links zu sehen)! 

 

Heute komplett vergessen: Die Forseti-Insel - Zentralheilgtum und Rückzugsort des letzten friesischen Stammesführers

Auch unsere jüngere Vergangenheit ist voller verborgener Wissensschätze und Geheimnisse und ist viel greifbarer, als allgemein angenommen. Von der nordischen Bronzezeit geht es jetzt ins frühe Mittelalter (7-9 Jahrhundert n. Chr). 
So war es ebenfalls der junge Theologe Jürgen Spanuth, der, nachdem er im Jahre 1938 Pastor der Gemeinde Bordelum wurde, lange bevor er die Forschung zum Nordeuropaatlanis begann, sich mehr aus Zufall auf die Suche nach dem sagenumwobenen Forsetisland der Friesen machte. Das Forsetisland (bis vor etwa 900 Jahren noch eine Insel), Zentralheiligtum der Friesen, welches letztmalig vom christlichen Geschichtsschreiber und Domherr Adam von Bremen im Jahr 1070 n. Chr. erwähnt wurde (KUROWSKI, Seite 28). Zuvor versuchten sogenannte iro-schottische Wandermönche (Willibrord und später Liudgeri), im 8ten und 9ten Jahrhundert, übrigens lange vor dem "Apostel des Nordens" Ansgar (801-865 n. Chr.), den Friesischen Stammesführer Radbod auf der Forsitesinsel (friedlich) zu bekehren - allerdings völlig erfolglos (KUROWSKI, Seite 28). 

Alleine die Quellen, die Spanuth in seinem Aufsatz (der inzwischen neu aufgelegt wurde) zu den christlichen Bekehrungsversuchen der Wandermönche aufführt, dessen christliche Lehre sich noch fundamental von der römischen unterschieden, sind mehr als wissenswert. Im 8ten Jahrhundert gab es bereits hunderte von Kirchen auf dem Gebiet des heutigen Deutschlands. Dr. Hans-Joachim Zillmer (2004) bezeichnet diese als iro-schottischen Klöster (Seite 147). Erst später, als die Franken unter Karl dem Großen am Ende der Friesische-Fränkischen Kriege Alt-Friesland im Mai 783 erobern konnte, wurden diese ursprüngliche Glaubensgemeinschaft als Ketzer(!) gebrandmarkt und von der römischen Kirche verfolgt, ihre Kirchen radikal ausradiert. 

Richtig gehört: Christen verfolgten einst Christen. Aber warum? War ihr Glauben gänzlich so unterschiedlich, dass die Iro-Schotten (die übrigens die Papstkirche aufgrund ihrer starken Ausbreitung besonders in Irland und Schottland so genannt hat) eine Gefahr waren für die römische Kirche? Auch auf diese Frage geht der Theologe ein. Fragt doch mal in eurem christlichen Bekanntenkreis, ob jemand davon mal gehört hat. Auf Wikipedia heißt es übrigens: "Im 8. Jahrhundert übernahm das iro-schottische Christentum die effizientere Organisation und Hierarchie der römisch-katholischen Kirche." So kann man es auch ausdrücken. Kennt man diesen geschichtlichen Aspekt, sieht man auch plötzlich die Rolle der Wikinger aus einer anderen Perspektive. "Die Wikinger griffen normalerweise nicht wahllos die Bevölkerung oder die mit ihnen verwandten Kelten an, sondern zerstörten und beraupten gezielt die Klöster mit radikalen Mönchen (Benediktiner) der römisch-päpstlichen Kirche." (ZILLMER, Seite 147) Die Jahre bzw. Jahrhunderte zuvor lehnten sich die Nordmänner nicht gegen die iro-schottischen Missionierer auf, das beweisen die Schriftquellen der Wandermönche. Man hörte ihnen zu und einige "Heiden" ließen sich sogar bekehren und taufen.

Die Forsetisinsel Spanuths unter Berücksichtigung alter Quellen (die Breklumer Geestinstel und nicht wie allgemein angenommen Helgoland - mehr dazu in der Karte oben) mit seinem Heiligtum als Wallfahrtsort und der Lebensquelle daneben, die Indizien sprechen eindeutig dafür. Hier lag der Sitz des letzten alt-friesischen Stammeshäuptlings Radbot II, dessen Vater und Vorgänger Surbold sich erbitterte Kämpfe mit der zahlenmäßig weit überlegenen fränkischen Söldnerarmee lieferte und, zusammen mit den Sachsen bei Köln seine Heimat (das heutige Holland, West-Friesland) im Jahre 714 zurückeroberte, nachdem er seine Truppen im Forsetisland sammelte (KUROWSKI, Seite 27). War dir dieser erbitterte Freiheitskampf - Seite an Seite mit den verbündeten Sachsen - bekannt? Mir bis ich auf Spanuths Werk gestoßen bin nicht, allerdings ist dieser Teil unserer Geschichte zwar eher unbekannt, aber dennoch offenkundig. 

Bordelum hieß früher übrigens "Borlum", was vom friesischen "borte" also sprudeln, kommt – ein Hinweis auf die Lebensquelle, die bereits der Wandermönch Willibrord beschrieb, aus der man nur schweigend trinken durfte (KUROWSKI, Seite 28) und die bis heute sprudelt (anders als die ehemals heilige Quelle in Süderrarup - siehe Karte oben). Daneben die Reste des heute unter Denkmalschutz stehenden ehemals steinernen Schlosses Uphusum (übersetzt Hochhaus). Gemäß Spanuth die Fosteburg Radbods, die sich im Jahr 1629, kurz vor ihrer Zerstörung, im Besitz des dänischen Königs Christian IV (der sich hier mehrfach aufhielt), befand. Dieses sagenumwobene Schloss entspricht genau der Anlage ost- und westfriesischer Häuptlingsburgen. Auch die Lage des alten Hafens zum Schloss (mit der Bezeichnung "an den Wehlen") passt perfekt zu den alten Überlieferungen der Wandermönche. 

 

Legende Karte

Das vergessene Forseti-Heiligtum auf der Forseti-Insel der frühen Friesen bei Bordelum. Hier lokalisierte der Österreicher Jürgen Spanuth, aufgrund der Masse von Relikten und zahlreichen Schriftquellen, diese heiligen Stätte und beantwortete damit eine der interessantesten Fragen der friesischen Frühgeschichte: Wo lag Forsetesland? Wer von Schleswig oder Angeln hier her wollte, musste die Flussfurten bei Eggebek und Langstedt nehmen oder den großen Umweg über Viöl in Kauf nehmen.

 

Forseti

Der Legende nach hielt hier auf dem Stollberg (dieser hieß im Niederdeutschen noch Stol-berg, aller Vorraussicht nach in Bezug auf den heiligen Stuhl, der sich hier mal befand) Forseti Gericht. Er war einer der Söhne der beliebtesten nordischen Gottheit Baldur (Gott des Lichtes und der Gerechtigkeit sowie Sohn Odin´s). 

 

Unsere uralte Kultur wiederentdecken

Große Geschichte wurde auf der Forseti-Insel geschrieben; große Vorgeschichte, um genau zu sein, welche allgemein gesprochen leider kaum angemessener Beachtung geschenkt wird. Wieso eigentlich nicht? Leicht hätte man schon vor langer Zeit die Punkte dieses Beitrages aufgreifen und großflächig publik machen und lehren können. Soll es im Verborgenen bleiben, wie die blutige Eroberung Karls (er gilt übrigens als Gründer Europas und ist allgemein bekannt als „Karl der Große“) sich wirklich vollzog, mit seinen Motten (Turmhügelburgen, Stützpunkte im Feindesland) und den "Aposteln", die den römisch-christlichen Glauben unseren Vorfahren eher überstülpten, als ihnen eine Wahl zu lassen? Sind diese Machenschaften der Papstkirche ein Grund für den gelinde gesagt stiefmütterlichen Umgang mit unserer nordischen Geschichte, die eher im höchsten Maße rumreich als barbarisch gewesen zu sein scheint? Schreibt der Sieger nicht die Geschichte? Wieso, wenn der Nordseeraum der Bronzezeit die höchste Übereinstimmung mit Platons Atlantis Schriften hatte, weiß der Standard-Schleswig-Holsteiner weder etwas über Spanuths Arbeit, noch über die Hochkultur des Nordischen Kreises der Bronzezeit, an der die Menschen Schleswig-Holsteins unbestritten vollen Anteil hatten und deren Spuren sich noch überall in diesen Gefilden ausmachen lassen? 

Unsere Geschichte ist viel älter und reicher als allgemein angenommen und suggeriert, und, sofern du in dieser Gegend lebst, befindest du dich (aller Vorraussucht nach völlig unwissentlich) auf historisch sehr bedeutsamen Boden. Mach etwas draus! Lebst du beispielsweise in Eggebek oder Langstedt befindet sich Bordelum, Heimat Spanuths zu Lebzeiten, nebst Forseti-Heiligtum oder das Thorsberger Moor bei Brarup aber auch Schleswig und das heute eher unbekannte Füsing (es war größer als Haithabu!) jeweils nur 2 Fahrradstunden von dir entfernt; der Angelboweg, Süderschmedeby oder Oeversee nur einen Steinwurf. Lerne die Jahrtausende alte Kultur deiner Vorfahren kennen und sehe unsere Geschichte aus einem völlig neuem Blickwinkel. Spüre die Dankbarkeit und Verbundenheit. Und, fast noch wichtiger: Gebe dieses Wissen weiter; nicht nur an deine Kinder.  

Dein Jan

 

 

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