Flut

31.Juli 1952, Nordsee, Höhe Steingrund:

Ich sehe einen hohen Wall aus Steinen ...“, meldet der Taucher. Jeder Stein ist zwei Meter breit und einen lang. Der Wall ist zwei Meter hoch. Ein zweiter Wall, in sechs Meter Entfernung, läuft parallel zu dem ersten. Die Steine sind zum Teil rot, zum Teil weiß. „Ich kann kein Ende der beiden Wälle erkennen ...“ Das Echolot ergänzt seine Beobachtungen: die Wallanlage ist 927 Meter lang, eine halbe Seemeile – genau die Länge („fünf Stadien“), die Platon in seinem Dialog „Kritias“ als Länge der Mauer um die Burg des Königs von Atlantis angibt. Es stimmt! Die Mauern, die Gräben, der Umfang, die Entfernung von der Felseninsel (bei Platon: „50 Stadien“), die Farbe der Steine – alles stimmt! Sogar der Bernstein („Orichalkos“), von dem Platon erzählt! Die Kombinationen Spanuths in seiner Bordelumer Studierstube sind durch den Taucher und das Echolot bestätigt. Mühe, Aufwand und Risiko haben sich gelohnt…“

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Mit diesen Worten beschreibt „die Zeit“ in der Ausgabe 14/1953 den Moment, als ein Taucher die historische Entdeckung des Jahrtausends bestätigte (Die Zeit, Ausgabe 14/1953). Eine Entdeckung, die von Bedeutsamkeit für uns Menschen – nicht nur uns Schleswig-Holsteiner – in seiner Tragweite alles über den Haufen wirft, was wir bis dato zu glauben meinten: Atlantis lag vor Helgoland. Platons Beschreibungen deckten sich fast genau mit den weltweit teils einzigartigen Gegebenheiten an dieser Stelle:

Steingrund vor Helgoland. Dort also lag sie, die Königsburg des atlantischen Reiches mit dem Namen Basileia (die Bernsteininsel). Es gab keine Zweifel mehr.

Meeresspiegel

Es dürfte viele Menschen gelinde gesagt schockieren, diese Zeilen zu lesen. Dieses Thema ist wenig bis gar nicht bekannt, die Spuren in der Landschaft Schleswig-Holsteins und das Kartenmaterial über diese Zeit sprechen aber eine eindeutige Sprache: Der Meeresspiegel war bis ins 14te Jahrhundert noch um Meter höher!

Das erste Mal wurde ich auf dieses Thema aufmerksam, als ich im Buch „Faszination Wikinger“ (LIBSY, 2017) auf diese Aussage gestoßen bin: „Die Treene war bis Hollingstedt noch Ebbe und Flut ausgesetzt.“ (LIBSY, Seite 34) Dies wäre heute absolut undenkbar. Die kleine Rheider Au, die in der Treene vor Hollingstedt mündet, war zur damaligen Zeit bis Klein Rheide – also bis weit ins Landesinnere - schiffbar. Auch diese Tatsache machte mich sehr stutzig.

Dann das Kartenmaterial aus dem vom Archäologen verfassten Buch „Führer zu vor- und frühgeschichtlichen Denkmälern“ (ZENTRALMUSEUM MAINZ, 1968), welche auf der Karte auf Seite 151 Schleswigs Norderhafen zeigt.

Richtig, Schleswig hatte bis vor ein paar Jahrhunderten noch einen großen zweiten Hafen (Karte unten)! Da die Schlei ein Meeresarm der Ostsee ist und auf der Nordseeseite die Treene ja auch als verlängerter Meeresarm der Nordsee fungierte, kann man nur zu einem Schluss kommen: Der Meerespiegel lag höher – und zwar um Einiges. 

Tatsächlich ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass auch du ein Nachfahre der Wenden bist. Gerade dann wäre es doch aufschlussreich zu erfahren, wer sie waren und was sie ausmachte. Sie waren begnadete Reiter, große Seefahrer und bestachen durch Tapferkeit und Edelmut - bezwangen sogar das römische Imperium und "Sie leben millionenfach unter uns - oft ohne davon zu wissen: Die Nachfahren der Wenden." (FRICKE, Seite 174) Millionenfach? Habe ich etwas verpasst? Anscheinend schon, denn ich wusste, bis ich auf dieses Material gestoßen bin nicht ansatzweise davon, dass ich selber zu den Nachfahren der Wenden zähle - wenn auch nur zu einem Viertel.

Als ich das erste Mal von diesem Thema hörte, viel mir die Kinnlade runter - erst recht, als sich die Behauptungen des dänischen Autors und Piloten Preben Hansson als wahr entpuppten (siehe hierzu die Karte unten) und ich feststellte, dass er sogar über die Hälfte der Anlagen vergessen oder übersehen hat in seinen Recherchen aufzuführen!

Worum geht es? Es geht um die Trelleborg "Wikinger Kasernen". Mindestens 7 von ihnen lassen sich noch in der Landschaft Dänemarks und Schwedens ausmachen. Sie gelten bautechnisch als Meisterwerke - ihre Grundrisse bestechen durch geometrische Genauigkeit und perfekter Symmetrie. Klingt das nicht schon alles andere als plausibel? Eine derartige Perfektion im Zusammenhang mit Kasernen der Wikinger? Ernsthaft? Nicht nur Archäologen wie Poul Nörlund sahen hier schon direkt nach der Analyse dieser Hinterlassenschaften einen riesen Konflikt (NÖRLUND, 1948).

Offiziell heißt es, die Trelleborgen wurden um das Jahr 980 vom dänischen König Harald Blauzahn (Regierungszeit von 936 -987) errichtet. Und hier geht es schon los: Einige von diesen sogenannten Ringburgen wurden ohne Frage tatsächlich zu Zeiten des Mittelalters bebaut und genutzt. Allerdings geht es nicht um diese späten Phasen der Bebauung, sondern um die Vorläuferburgen dieser Anlagen (bzw. ihren Grundriss wie der der Aggersborg). Zu den meisten von ihnen steht auf Wikipedia Folgendes: „Wer die Vorläuferburgen der in mehreren Phasen gebauten Ringanlagen gebaut hat, ist ungewiss“ (https://de.m.wikipedia.org/wiki/Wikingerburg#Wikingerzeitliche_Ringburgen).

Karte Klein Niederdeutsch PlattdeuschInsgesamt sind alleine in Schleswig-Holstein 543 Burgen oder burgähnliche Anlagen als Kulturdenkmale unter Schutz gestellt, wovon sich noch 393 in der Landschaft ausmachen lassen (ICKERODT, Seite 255)! Laut Arthur Dähn sind es sogar 412 und er hat sich die Mühe gemacht, die genauen Positionen dieser Anlagen in seinem Werk "Ringwälle und Turmhügel" genaustens aufzuführen (DÄHN, 2001)! Wer hätte das gedacht? Ich auf jeden Fall, bis ich auf dieses Buch gestoßen bin, nicht ansatzweise. 
Den mit Abstand größten Teil dieser Anlagen machen die sogenannten Turmhügelburgen aus. Alleine im Kreis Plön befanden sich 37 von ihnen (TURMHÜGELBURG MUSEUM LÜTJENBURG)! Sogar vor meinem kleinen Heimatdorf bei Flensburg und in meinem jetzigen Wohnort bei Elmshorn gab es je eine. Kaum erstaunt hat mich daher, dass - dies weiß ich erst seit etwa einer Woche - es ursprünglich auch eine Turmhügelburg unmittelbar vor meiner Arbeitsstelle im Zentrum Hamburgs gab (wikipedia.org/wiki/Neue_Burg). 
Laut Lehrmeinung dienten diese Bauten der Bevölkerung als Schutzanlagen vor plündernden, marodierenden Wikingern bzw. in Ostholstein den Wenden (Slawen). Wieso aber wird ein so greifbarer Bestandteil der Schleswig-Holsteinischen Geschichte so wenig thematisiert? Vielleicht, weil wir uns grundlegende Fragen stellen würden, wer die eigentlichen Barbaren bzw. Aggressoren waren und wer sich wirklich hat schützen müssen?
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